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7. Mai 2026

Instant Payment im Onlineshop: Ein Proof of Concept

Wie ein Onlineshop Instant Payment nutzen könnte, um Kundinnen und Kunden direkt vom Bankkonto bezahlen zu lassen. Ein mögliches Beispiel mit technischem Ablauf und den Herausforderungen dahinter.

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Instant Payment im Onlineshop: Ein Proof of Concept

Online bezahlen wirkt aus Kundensicht meistens simpel: Produkt in den Warenkorb, Karte eingeben, fertig. Im Hintergrund läuft aber oft ein ziemlicher Umweg. Zwischen Shop, Zahlungsdienstleister, Kartenanbieter und Banken sind meist mehrere Systeme beteiligt. Das funktioniert. Schlank ist es aber nicht immer. Zudem ist das Geld nach der Zahlung nicht sofort beim Händler und der Betreiber des Onlineshops bezahlt pro Transaktion Gebühren an die Zahlungsdienstleister.

Hier könnte Instant Payment interessant werden. Die Grundidee ist recht einfach: Statt eine Zahlung über mehrere Stationen laufen zu lassen (Zahlungsdienstleister, Kartenanbieter, etc.), bezahlt die Kundin oder der Kunde direkt seinem Bankkonto an das Bankkonto des Onlineshopbetreibers. Der Shopbetreiber kann danach direkt über das Geld verfügen und die Bestellung direkt freigegeben.

Das klingt technisch und kompliziert? Ist es eigentlich nicht. Schauen wir uns das Schritt für Schritt an.

Was ist Instant Payment überhaupt?

Seit August 2024 sind in der Schweiz Instant Payment Zahlungen verfügbar, die es ermöglichen, Geldbeträge in Schweizer Franken innerhalb von maximal zehn Sekunden von einem Bankkonto auf ein anderes zu überweisen. Eine Zahlung wird z.B. über das E-Banking oder Mobile Banking der Bank des Zahlers ausgelöst, und das Geld wird direkt auf das Konto des Empfängers überwiesen. Diese Transaktionen können rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres durchgeführt werden, unabhängig von Uhrzeit, Wochentag oder Feiertag.

Wie könnte das für Kundinnen und Kunden konkret aussehen?

Im Rahmen eines Prototypen wurden bereits erste Ansätze in einer Testumgebung entwickelt, wie ein solcher Flow in einem Onlineshop aussehen könnte.

Stellen wir uns vor, jemand bestellt in einem Onlineshop ein Produkt. Beim Bezahlen wählt die Person nicht Kreditkarte, sondern eine direkte Bankzahlung "Instant Payment".

Der Ablauf:

  1. Kunde wählt einen Artikel im Shop
  2. Kunde geht zum Bezahlprozess und wählt "Instant Payment" als Zahlungsoption
  3. Auf dem Screen wird eine QR-Rechnung angezeigt, die alle nötigen Zahlungsinformationen enthält (Betrag, Empfänger, Referenz)
  4. Der Kunde scannt den QR-Code mit seiner E-Banking-App und bezahlt.
  5. Der Betrag wird an den Onlineshopbetreiber gesendet
  6. Im Hintergrund prüft das System, ob der richtige Betrag mit der richtigen Referenz auf dem Empfängerkonto des Händlers angekommen ist.
  7. Sobald das bestätigt ist, wird die Bestellung automatisch abgeschlossen und dem Käufer eine Bestätigungsseite angezeigt.

Was im Hintergrund passiert

Um den technischen Ablauf einfacher erklären zu können, schauen wir uns ein vereinfachtes Modell an. Im Modell haben wir vier Parteien: Zahler, Händler, die Senderbank (Bank des Zahlers) und die Empfängerbank (Bank des Händlers). Dazwischen gibt es das Payment Scheme, also die Zahlungsplattform, die den Prozess koordiniert. Die Zahlungsplatform ist das Bindeglied zwischen den Banken und dem Händler sowie dessen Onlineshop.

QuickStack Deployment Übersicht einer App

Der Händler stellt eine Zahlungsaufforderung (1) an den Zahler. Dies geschieht über das Payment Scheme (Zahlungsplattform). Das Payment Scheme generiert für diese Zahlung eine QR-Rechnung (1) mit einer Referenznummer (kann von jeder Banking App eingelesen werden). Der Zahler führt die Zahlung an den Händler aus, indem er durch das E-Banking/Mobile-Banking seiner Bank (Senderbank) die QR-Rechnung scannt und eine normale IBAN-Zahlung an die Empfängerbank des Händlers durchführt (3).Das Payment Scheme überprüft in einem Interval, ob neue Zahlungen auf dem Händlerkonto eingegangen sind (4). Als letzter Schritt (5) wird vom Payment Scheme eine Zahlungsbestätigung oder Ablehnung an den Händler und den Zahler gesendet. Bei erfolgreicher Zahlung landet der Kunde auf einer Bestätigungsseite des Onlineshops und die Bestellung wird freigegeben.

Wieso bezahlen wir nicht schon längst so?

Die Technik ist nicht das Hauptproblem. Der eigentliche Bremsklotz ist das Umfeld darum herum. Damit so ein System im Alltag sauber funktioniert, müssen mehrere Dinge gleichzeitig stimmen.

  • Erstens: Nicht alle Banken ziehen beim Versenden von Instant Payments mit. Empfangen müssen sie zwar bis Ende 2026, aber das Senden ist nicht verpflichtend. Das heisst: Ein Händler kann so eine Zahlungsoption anbieten, aber ein Teil der Kundschaft kann es je nach Bank schlicht nicht nutzen.
  • Zweitens: Die Schnittstellen, um Bankinformationen abzurufen ist in der Schweiz noch zu wenig einheitlich. Das heisst, für verschiedene Banken müssten verschiedene Schnittstellen implementiert werden, um z.B. den Kontostand oder die Transaktionshistorie abzufragen. Es gibt zwar Bestrebungen zur Vereinheitlichung von Open-Banking Schnittstellen mit z.B. B-Link, jedoch ist das noch nicht bei allen Banken verbreitet. Einige Banken verlangen sogar pro Abfrage von Kontoinformationen einen Gelbetrag. Eine wichtige Anforderungen an die Schnittstelle ist die Echtzeitfähigkeit, damit neue Transaktionen unmittelbar nach dem Zahlungseingang abgefragt werden können.
  • Drittens: Auch die Benutzerführung ist noch ein Thema. Der Kunde scannt eine QR-Rechnung in der Banking-App, muss die Zahlung freigeben, und je nach Bank ist nicht einmal klar, ob daraus wirklich eine Instant-Payment-Zahlung. Im Falle einer "normalen" Banüberweisung, würde das Geld erst am nächsten Tag ankommen.
  • Der Letzte Punkt: Gebühren. Viele Banken verlangen zurzeit noch Gebühren für das senden von Instant-Zahlungen. Teilweise sogar 5 CHF pro Transaktion. Das ist für den Kunden vermutlich das grösste "No-Go".

Fazit

Instant Payment technisch in einen Onlineshop zu integrieren und eine automatisierte Bestellfreigabe nach Zahlungseingang wäre technisch bereits heute möglich. Die grössten Herausforderungen liegen aktuell nicht im Zahlungsflow selbst, sondern in Bank-Schnittstellen, Gebührenstrukturen und der Verfügbarkeit von Instant-Zahlungen bei allen Banken. Sollten sich diese Punkte in der Schweiz weiterentwickeln, könnte Instant Payment künftig eine interessante Alternative zu klassischen Payment Providern werden.

Referenz: Jan Meier, Instant Payment Integration at the Point of Sale, OST – Ostschweizer Fachhochschule, 2025 Link zum Dokument

Fragen dazu? Wir beraten Sie gerne.

Jan Meier

Jan Meier

Software Engineer & IT-Consultant